Mit der Ausbildung meistert Caterina ihre Zukunft

Caterina Marckardt, Ausbildung zur Augenoptikerin

Caterina Marckardt aus Bernau-Waldfrieden weiß, wie viel ein guter Blick wert ist. Nicht nur beim Sehen. Auch im Le­ben. Ihre Eltern mussten mit der heute 22-jährigen wegen ihrer Behinderung aus Berlin nach Bernau in ein barriere­freies Haus ziehen. Seit zwei Jahren absolviert sie eine Ausbildung zur Augenoptikerin in der Fielmann-Nie­derlassung in der Bernauer Bahnhofspassage. Dass sie die­sen Weg gehen kann, hat viel mit ihrem eigenen Mut zu tun – und mit einem Filialleiter, der offen war, als es darauf an­kam. Für alle Beteiligten war und ist es eine Premiere. Ca­terina ist mobil, fährt selbst Auto und kann sich im Notfall mit Krücken bewegen. Doch Stehen und Arbeiten im Gehen sind für sie nicht möglich.

Nach der Schule wollte die junge Frau einen Beruf finden, der zu ihr passt, ihr Freude macht und in dem sie mit Menschen arbeiten kann. Augenoptiker­meister Karsten Franke und die beiden Ausbildungsbeauf­tragten sorgten sich, gemeinsam mit der HWK-Inklusions­beauftragten Nadine Gielisch, um viele kleine Details, um die Ausbildung zu starten. Es ist in dem Konzern der erste Augenoptiker-Lehrling im Rollstuhl. „Der Wille und die Lust sind da. Kopf und Hände funktionieren. Die Leistungen bei uns in der Filiale und in der Berufsschule sind super“, be­gründet Franke seinen Vorschlag, Caterina als „Lehrling des Monats“ zu würdigen und zu danken. „Für alle ist es unge­wohnt und neu. Auch für die Kunden. Und ich weiß heute: Es ist ein Gewinn“, freut sich der Meister über den Lehrling.

Die zum Glück selbstbewusste Caterina führt Kundengespräche, lernt die fachlichen Grundlagen der Augenoptik schnell und stellt sich allen handwerklichen Aufgaben, die zum Beruf gehören. Dies bestätigt auch Sabrina Rose, Fachlehrerin (M.Sc. Optometrie) am OSZ Havelland in Rathenow. „Caterina zeichnet sich vor allem durch ihre zugewandte und freundliche Art aus. Sie arbeitet gewissenhaft, zielstrebig und zuverlässig. Auch fachlich überzeugt sie auf ganzer Linie – ihre Leistungen in der Berufsschule sind hervorragend.“

Zu Beginn ihrer Ausbildung hatte es Caterina nicht leicht, da sie die erste Schülerin mit einer Gehbehinderung am OSZ war. Viele Abläufe und räumliche Gegebenheiten waren nicht auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet. „Anfangs haben wir häufig darüber gesprochen, was nicht möglich ist. Im Laufe der Zeit hat Caterina jedoch gezeigt, wie viel sich durch Beharrlichkeit, Offenheit und eine lösungsorientierte Haltung bewegen lässt. Gemeinsam konnten Barrieren erkannt und abgebaut werden. Davon profitieren heute nicht nur Caterina selbst, sondern auch zukünftige Auszubildende mit ähnlichen Voraussetzungen“, blickt Sabrina Rose auf die beiden Jahre zurück. „Für mich ist Caterina deshalb nicht nur eine sehr gute Auszubildende, sondern auch ein Beispiel dafür, wie Engagement und Ausdauer positive Veränderungen anstoßen können. Sie hat dazu beigetragen, die Ausbildung ein Stück barriereärmer und damit für alle zugänglicher zu machen.“ Notiert von Michael Thieme

 

 

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